Museumspädagogische Projekte für Schulgruppen
Lebendige Geschichte auf den Spuren der Kelten
Geschichte lebendig erfahren im Museum
Das museumspädagogische Programm im Freilichtmuseum auf der Heuneburg in Herbertingen-Hundersingen hat sich zum Ziel gesetzt, archäologische Entdeckungen und Forschungsergebnisse in ein spannendes und interessantes Geschichtserlebnis mit Aktivitäten in den Museen umzusetzen. Wir möchten den Kindern und Jugendlichen erklären, an welcher historischen Stätte sie sich befinden und was Archäologie und Geschichte mit unserer Gegenwart zu tun hat.
Der zweite Schwerpunkt ist die Vermittlung von Handwerk und seine Bedeutung auch heute noch in unserem Leben. Viele Handwerkstechniken sind ausgestorben, werden neu entdeckt, oder sollen erhalten werden. Andere Handwerke haben sich scheinbar über Jahrtausende erhalten und manchmal auch gar nicht so viel verändert.
Kopf und Hände arbeiten eng zusammen: Komplizierte Handwerkstechniken können nur mit Hintergrundwissen über die Materialeigenschaften des Werkstoffes und seine Handhabung und mit der entsprechenden handwerklichen Fingerfertigkeit und Übung bewerkstelligt werden. Diese Zusammenhänge zeigen wir auf und bieten die Möglichkeit zum ersten Kennenlernen und Ausprobieren.
Die einmalige Kombination von klassischem Vitrinenmuseum mit den Originalfunden, archäologischem Freilichtmuseum mit begehbaren Hausrekonstruktionen, museumspädagogischen Einrichtungen und einem weiträumigen Freigelände am originalen Fundort sowie ein etwa 8 km langer archäologischer Wanderweg bieten unbegrenzte Möglichkeiten für individuelle Projektgestaltung.
Die Veranstaltungen finden bei jedem Wetter statt! Deshalb: wetterfeste Kleidung (Regenschutz) und festes Schuhwerk werden empfohlen.
Übernachtungsmöglichkeiten bietet als Landschulheim das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Heiligkreuztal mit seinem Jugendbereich an.
Die museumspädagogischen Aktionen
BAUTECHNIKEN
Bei den Projekten zur Bautechnik sind die Erfahrungen, die während der Errichtung des Freilichtmuseums auf der Heuneburg gewonnen wurden, die Grundlage. Es geht dabei um traditionelle und alternative Baumaterialien, aber auch um Einflüsse aus anderen Kulturbereichen, bereits in vorgeschichtlicher Zeit.
Für das Decken von Dächern standen in vorgeschichtlichen Epochen verschiedene organische Materialien – Stroh, Reet oder eben Holzschindeln – zur Verfügung. Der gebrannte Dachziegel ist in dieser Zeit nördlich der Alpen noch unbekannt.
1. Aktion: Holznagelherstellung
Zur Befestigung der Schindeln auf dem Dach standen auf der Heuneburg noch keine Eisennägel zur Verfügung. Zwar kannten die Kelten in dieser Zeit bereits die Herstellung von Eisen, es wurde jedoch noch nicht dazu genutzt, um Nägel in großer Zahl zur Befestigung von Schindeln herzustellen. Aber Nägel aus Holz sind genauso gut, oder in machen Fällen auch besser zur Befestigung geeignet.
Gezeigt wird die Herstellung “großer” und “kleiner” Holznägel.
- Holzarten und ihre Eigenschaften
– Arbeitsgeräte und Techniken
– Herstellen von Holznägeln
KLEIDUNG UND SCHMUCK
Aus keltischer Zeit kennen wir aus dem Grab von Hochdorf bei Ludwigsburg und aus dem Salzbergwerk von Hallstatt in Österreich zahlreiche Gewebereste. Sie zeigen uns, dass die Kelten schöne bunte und aufwändig hergestellte Stoffe zu Kleidern verarbeite haben. Alle wichtigen Fadenbindungen, die wir heute kennen, sind den Kelten auch schon geläufig. Sie weben Stoffe auf Gewichtswebstühlen und stellen die Garne dafür mit der Handspindel her. Auch gefilzte Decken, Socken und anderes sind aus Grabfunden dieser Zeit bekannt.
Scheren zum Zuschneiden des Stoffes gibt es noch nicht, ebenso wenig Knöpfe, um die Kleider zu verschließen. Wie sieht dann so ein keltisches Gewand aus?
2. Aktion: Filzen
Stoffe können nicht nur aus Fäden hergestellt werden, sondern auch durch filzen. Einige Wissenschaftler meinen, dass Filz die ältesten Textilien sind, weil sie sehr einfach herzustellen sind. Heute kennen wir noch Loden oder Walkstoffe. Solche Stoffe entstehen aus Wolle: zuerst muss die Wolle gewaschen, getrocknet und gekämmt werden. Anschließend wird daraus mit Hilfe von Wasser, Seife und ganz viel Kraft ein stabiler Stoff hergestellt, der sehr robust ist. Früher war filzen häufig Männerarbeit.
- Kennenlernen verschiedener Wollsorten und ihrer Eigenschaften
– Vorbereitung der Wolle zum Filzen
– Filzen eines Gegenstandes (Fläche, Ball, etc.)
3. Aktion: Schmuckherstellung
Zur Kleidung, oder auch zur Tracht gehört unbedingt auch der Schmuck. Die Menschen haben sich von alters her geschmückt. Schmuck hat zum eine n häufig einen praktischen Nutzen, wie das Verschließen der Kleider. Natürlich können solch funktionalen Gegenstände auch verziert sein und gleichzeitig als Schmuck dienen. Dagegen wird den goldenen Hals- und Armringen, wie man sie in den Gräbern in Hügel 1 vor der Heuneburg gefunden hat, eher eine Funktion als Statussymbol zugeschrieben. Solche außerordentlichen Schmuckstücke findet man nicht in jedem Grab. Diese Ringe sind mit feinen Mustern verziert.
- Vorzeichnen des Musters, gerne nach keltischem Vorbild
– Ausprobieren der Technik mit Punzen aus Geweih oder Metall
– Anfertigen eines eigenen Schmuckstücks aus Prägefolie
4. Aktion: Keltischer Knoten
Keltische Knoten zeichnen sich durch einen unendlichen Bandverlauf aus. Die Darstellung solcher Knoten stammt hauptsächlich aus nachchristlicher Zeit, aber die Wurzeln reichen bis in die Zeit um 500 vor Christus zurück. Viele verschiedene Bedeutungen wurden in diese Knoten hinein interpretiert, so gelten sie häufig als Symbol für die Ewigkeit. Im Mittelalter fanden die verschlungenen Knoten Eingang in die irische Evangeliare, wie das Book of Kells oder das Book of Durrow.
- Erläuterung der Geschichte der keltischen Knoten
– Darstellung der Grundtechniken
– Herstellung eines eigenen keltischen Knotens, der als Schlüsselanhänger o.Ä. verwendet werden kann
5. Aktion: Glasperlen
Perlen aus farbigem Glas, manchmal mit sogenannten “Augen” oder Wellenbändern verziert, sind die früheste Verwendung von Glas überhaupt. Die farbigen Glasperlen wurden anfänglich aus südlichen Ländern importiert, seit der frühen Eisenzeit werden sie auch nördlich der Alpen hergestellt. Perlen aus blauem, grünem und fast entfärbtem Glas wurden mit Perlen aus anderen Materialien zu Ketten kombiniert.
- Erläuterung der Grundlagen der Glasperlenherstellung
– Herstellen und Verzieren einer Perle aus einem farbigen Glas
6. Aktion: Offener Herdguss
Viele Fundstücke von der Heuneburg und aus dem Umland belegen das Handwerk des Bronzegießers. Die Kelten auf der Heuneburg kannten die Verarbeitung von Bronze, ebenso wie die Eisenverarbeitung. Ein besonders interessantes Fundstück ist das Fragment einer Gussform, das für die Herstellung einer Henkelattasche in Form eines Silens vorgesehen war. Eine Henkelattasche ist ein Henkelabschluss: hier wird der Kannenhenkel am Kannenkörper befestigt. Besonders beliebt war dieses Motiv in Oberitalien.
- Herstellen einer Form aus Lehm
– Einbringen des Abdruckes
– Ausgießen der Form mit Wachs
Ernährung (ergänzendes Projekt)
Zu den Tagesprojekten gehört das Backen von Brot oder Fladen dazu. Auf der Heuneburg sind in den Häusern verschiedene Arten von Öfen und offenen Feuerstellen bekannt. Es gibt deshalb die Möglichkeit zu backen.
- Anfeuern des Backofens
– Einschieben der Fladen in den Ofen
– Essen